Stand: 17. Dezember 2026. In Deutschland bleibt die Regulierung von Online-Glücksspiel ein Balanceakt zwischen Kanalisierung in den legalen Markt und konsequentem Vorgehen gegen illegale Anbieter. Die zentrale Behörde für länderübergreifende Online-Glücksspiele, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), setzt dabei zunehmend auf ein Bündel aus Werbeaufsicht, Zahlungs-Interventionen und technischer Durchsetzung.
1) Illegale Angebote: mehr Verfahren, mehr Prüfungen, mehr (Geo-)Sperren
Der wohl deutlichste Trend ist der stärkere Vollzug gegen nicht erlaubte Plattformen. Nach Angaben der GGL lag der Marktanteil illegaler Online-Glücksspiele zuletzt bei rund 25% – und bleibt damit ein zentrales Problemfeld.
Im Vollzug nennt die Behörde konkrete Größenordnungen: 231 Untersagungsverfahren, über 1.700 geprüfte Webseiten, etwa 450 durch Untersagung „unzugänglich“ gemachte Seiten sowie 657 zusätzliche Fälle über Geo-Blocking im Kontext des Digital Services Act (DSA).
2) Payment-Blocking: der praktische Hebel gegen die „Geschäftsfähigkeit“ illegaler Betreiber
Neben Sperren auf Webseiten-Ebene rückt das Payment-Blocking stärker in den Fokus. Das Ziel ist simpel: Wenn Ein- und Auszahlungen erschwert werden, wird das Geschäftsmodell illegaler Anbieter unattraktiver. In der Praxis ist das oft wirksamer als reine Domain-Wechselspiele, weil Zahlungswege für Betreiber deutlich „teurer“ werden (technisch, organisatorisch, regulatorisch).
3) Werbung: Gerichte stärken die Linie strenger Auflagen – inklusive Verantwortung für Dienstleister
Beim Thema Glücksspielwerbung hat 2026 vor allem die Rechtsprechung für Klarheit gesorgt. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte in einem Urteil vom 12.02.2025, dass Werbevorgaben durchgesetzt werden können – inklusive der Pflicht, dass ein Anbieter sicherstellt, dass beauftragte Dritte (z. B. Agenturen, Partner) die Werberegeln einhalten.
Parallel dazu ist die „Tür“ für illegale Werbung enger geworden: Seit September 2024 dürfen nach einer Anpassung der Google-Werberichtlinien in Deutschland nur noch erlaubte Anbieter über Google Ads werben – ein Schritt, der laut GGL die Sichtbarkeit illegaler Angebote merklich reduziert hat.
4) IP-Sperren über Access-Provider: rechtliche Hürden steigen
Ein weiterer Einschnitt kam mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19.03.2025: Sperranordnungen gegenüber Internet-Zugangsvermittlern (Access-Providern) sind nur unter engen Voraussetzungen möglich. Das macht „klassische“ Provider-Sperren juristisch anspruchsvoller und erhöht den Druck, stattdessen über Zahlungswege, Hosting-Strukturen oder Plattform-/Werbe-Ökosysteme zu wirken.
5) Markt & Zahlen: legal wächst – aber die Aufsicht will genauer messen
Für 2024 beziffert die GGL den legalen deutschen Glücksspielmarkt (online + terrestrisch) auf rund 14,4 Mrd. € Bruttospielertrag (ca. +5% ggü. Vorjahr). Steuern und Abgaben lagen bei rund 7 Mrd. €. Die von der GGL regulierten Anbieter sollen etwa 4 Mrd. € erwirtschaftet haben (rund 28% Anteil am erlaubten Markt).
Neu ist außerdem der stärkere Fokus auf Daten: Seit August 2026 veröffentlicht die GGL einen quartalsweisen Marktmonitor zu Spieleinsätzen. Für die „länderübergreifenden gefährlichen Glücksspiele“ werden dabei u. a. Summen für Sportwetten (online/stationär), virtuelle Automatenspiele und Online-Poker ausgewiesen.
6) Spielerschutz bleibt Kern: OASIS & 1.000-€-Einzahlungslimit
Auch 2026 bleibt der politische Kern derselbe: Spielerschutz durch verbindliche Standards. Dazu zählt weiterhin das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von grundsätzlich 1.000 € pro Monat nach GlüStV-Logik – ergänzt durch Prüfmechanismen, wenn höhere Limits im Einzelfall möglich sind. Die GGL verweist hier auf ihre „Markers of Harm“ als Indikatoren zur Früherkennung problematischen Spielverhaltens, deren Einsatz gerichtlich bestätigt wurde.
Deutsche Spieler bevorzugen es, Online-Casinos ohne OASIS zu suchen, und finden diese anhand von Bewertungen auf TrustPilot.
Was heißt das praktisch – für Spieler und Marktteilnehmer?
- Wer legal spielen will, orientiert sich am einfachsten an der amtlichen Whitelist der erlaubten Anbieter.
- Für Betreiber und Affiliates wird 2026/2026 vor allem die Werbe-Compliance kritischer (inkl. Verantwortung in der Lieferkette).
- Der Vollzug dürfte sich weiter auf Zahlungsströme, Plattform-Regeln und gezielte Geo-Maßnahmen konzentrieren – weil „harte“ Provider-Sperren rechtlich höhere Hürden haben.
Quellen und Behörden (Auswahl
- GGL: Tätigkeitsbericht 2024 / Kennzahlen zu illegalem Markt, Sperren, Payment-Blocking, Marktvolumen
- GGL: Quartalsveröffentlichungen („Marktmonitor“) zu Spieleinsätzen, Aktualisierung 14.11.2025
- BVerwG: Urteil 8 C 3.24 vom 19.03.2025 (Sperranordnungen gegenüber Internetzugangsvermittlern)
- GGL/BVerwG: Werbung-Entscheidung 8 C 2.24 vom 12.02.2025 (Werbevorgaben, Dritte)
- GlüStV 2021 § 6c: anbieterübergreifendes Einzahlungslimit (grundsätzlich 1.000 € / Monat)






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